Heilkräuter im Wandel der Zeit

Bertramwurzel
Sowohl bei den alten Hochkulturen (Römer, Griechen, Ägypter) als auch bei den Naturvölkern wurden Pflanzen nicht nur als Nahrungsmittel oder Baumaterial, sondern auch zu Heilzwecken verwendet.

Das Wissen um die heilenden Kräfte des Pflanzenreichs wurde von einer Generation auf die nächste weitergegeben und ständig vermehrt. In Klöstern wurde es über die Zeit des Mittelalters hinweg gerettet. Zur Zeit von Sebastian Kneipp (1821-1897) hatte der Ausspruch "Gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen" fast uneingeschränkte Gültigkeit.

Im vorigen Jahrhundert wurden die ersten Inhaltsstoffe isoliert und charakterisiert. Die fortschreitenden Erkenntnisse der Wissenschaft machten es den Forschern möglich, Inhaltsstoffe teilweise auch synthetisch herzustellen und in Anlehnung an das Pflanzenreich neue Wirkstoffe herzustellen. Mit der industriellen Entwicklung und dem Entstehen der pharmazeutischen Industrie mussten die Heilkräuter den Arzneistoffen weichen.

Heute gewinnen die Heilpflanzen in der modernen Phytotherapie wieder langsam an Bedeutung. Man weiß nun, dass oft die Vielfalt der pflanzlichen Inhaltsstoffe im Vergleich zu einem Einzelwirkstoff bessere Wirkungen erzielt. Häufig werden Kräuter aber auch als Hilfstherapie gemeinsam mit Homöopathie oder Allopathie angewendet.

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Selbstgebraut oder doch lieber aus der Apotheke ?

Mörser
Das Sammeln von Heilpflanzen auf eigene Faust setzt genaueste botanische Kenntnisse sowie das Wissen um geschützte Arten voraus. Außerdem hat man keinerlei Information über Schadstoffe, die im Pflanzenmaterial durch die Luftverschmutzung, den sauren Regen, ev. Radioaktivität etc. gespeichert sein könnten.

Während des Wachstums der Pflanze werden in ihren Zellen verschiedenste Stoffe gebildet, die entweder im Zellsaft gelöst bleiben oder in den Zellen abgelagert werden. Dies geschieht allein zum Nutzen der Pflanze. Viele dieser Stoffwechselprodukte jedoch nützen auch dem Menschen. Sie helfen Krankheiten vorzubeugen, Beschwerden zu lindern oder zu heilen. Pflanzen, deren Inhaltsstoffe so wirksam sind, nennt man "Heilpflanzen".

Die Wirkstoffe sind nicht gleichmäßig über die ganze Pflanze verteilt. Manchmal kommen sie in den Blättern oder Blüten, dann wieder in der Wurzel oder Rinde gehäuft vor. Geerntet werden immer jene Pflanzenteile, in denen die wirksamen Stoffe in der höchsten Konzentration zu finden sind. Diese Teile (Blätter, Blüten, Kraut, Wurzel, Rinde, Zwiebel, Same, Frucht, ...) werden meist zerschnitten, schonend getrocknet und stehen dann als gebrauchsfertiges "Teematerial" zur Verfügung.

Der Wirkstoffgehalt schwankt aber nicht nur abhängig vom Pflanzenteil, sondern auch abhängig vom Standort, der Witterung, des Erntezeitpunkts und der Einbringungsmethode. Blätter sollten ganz jung, doch voll entfaltet gepflückt werden, Blüten, wenn sie erblüht, aber noch jung und frisch sind. Ganze Kräuter (=alle oberirdischen Pflanzenteile) sammelt man zu Beginn der Blütezeit. Früchte werden vollreif geerntet. Wurzeln werden ausgegraben, wenn sie kräftig und voll entwickelt sind. Das gleiche gilt für Wurzelstöcke. Rinden werden von jungen Zweigen geschält; im Frühling lösen sie sich leicht ab.

Neben den Wirkstoffen enthalten Pflanzen auch eine große Palette von Begleitstoffen, die man auch Ballaststoffe nennt. Das Vorhandensein dieser Begleitstoffe ist enorm wichtig, denn meistens sind sie an der guten Wirkung stark beteiligt.

Um sicher zu sein, Teematerial von hochwertiger Qualität zu verwenden, kauft man diese am besten in der Apotheke. Denn die in Apotheken verkauften Materialien müssen den Anforderungen des Arzneibuches entsprechen, d.h. sie werden genau auf Identität, Reinheit und Wirkstoffgehalt untersucht, und dürfen nur in bester Qualität abgegeben werden.

Auf den Inhalt kommt es an ...

Kräutermischung
Man findet oft mit nur einer Pflanze das Auslangen, wenn die Ursache des Übels bekannt ist. So kann man z.B. einen Bluterguss nach sportlicher Betätigung mit Arnika-Umschlägen behandeln, akute Magenbeschwerden nach zu fettem Essen mit einer Tasse Wermuttee.

Oft sind die Beschwerden aber nicht eindeutig auf eine bestimmte Ursache zurückzuführen oder sind chronischer Natur. Dann ist es sinnvoll, mehrere Pflanzen miteinander zu mischen, um eine breit gestreute Wirkung zu erzielen (medizinisch sinnvoll: 4 - 8 Bestandteile). Jede der verwendeten Heilpflanzen wirkt ein wenig anders, im Team verstärken und ergänzen sie einander.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, der für Teemischungen spricht: Oft entfalten die verschiedenen Stoffe die gleiche Wirkung, indem sie an verschiedenen Schaltstellen im Körper angreifen. Dadurch, dass eine Teemischung nun mehrere Heilpflanzen enthält, ist die Konzentration der einzelnen Wirkstoffe drastisch reduziert. Der Vorteil: geringere Mengen rufen weniger Nebenwirkungen hervor, während sich die Kräuter durch die richtige Auswahl in ihrer Wirkung sinnvoll ergänzen.

Doch was nützt ein noch so wirksamer Tee, wenn er aufgrund seines Geschmackes kaum zu trinken ist? Natürlich sind in Teemischungen auch Kräuter enthalten, die angenehm schmeckende und riechende Komponenten enthalten (Pfefferminze, Kamille...). Ebenso gibt es einige Pflanzen, die lediglich dazu verwendet werden, die Teemischung hübscher aussehen zu lassen, denn "auch das Auge trinkt mit" (Blütenblätter von Malve, Kornblume...).

Die Anwendung

Kräutertee
Wie jedes andere Arzneimittel sind auch pflanzliche Produkte nur dann optimal wirksam, wenn sie richtig angewendet, regelmäßig eingenommen und richtig dosiert werden. Bei Kräutern ist darüber hinaus aber auch die richtige Zubereitung von ausschlaggebender Bedeutung. Gerade im Bereich der Heilpflanzen kann man hier auf einen großen, lange überlieferten und immer weiterentwickelten Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Man sollte sich immer genau informieren, ob mit kaltem Wasser übergossen, zum Sieden erhitzt und abgeseiht, oder mit kochendem Wasser übergossen wird.
Die Zeitangaben sind genau zu beachten, denn sie hängen direkt mit der Beschaffenheit (Zerkleinerungsgrad) der Teematerialien zusammen. Auch Hinweise auf die Trinktemperatur, Art und Weise des Trinkens ("schluckweise" oder "über den Tag verteilt") und die Wahl des Süßungsmittels (Honig, Kandiszucker, Süßstoff) sind nach Möglichkeit zu beachten.

Neben der innerlichen Anwendung (Trinken von Tees, Kräutersäften und Elixieren) kann man Heilkräuter auch äußerlich anwenden. Dafür nimmt man hauptsächlich ungemischte Tees. Von äußerlicher Anwendung spricht man, wenn man mit dem Tee gurgelt, den Mund spült, das Zahnfleisch einreibt, Wunden behandelt, Dampfbäder, Teil- und Vollbäder oder Umschläge macht.

Die Zubereitung

Tee

Tees sind wässrige Auszüge, die in Abhängigkeit von den Inhaltsstoffen des verwendeten Pflanzenmaterials nach einer der beiden Vorschriften hergestellt werden:
1 - 2 gehäufte Esslöffel Tee mit 1/4 Liter kaltem Wasser zustellen, kurz aufkochen, 5 - 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen.
1 - 2 gehäufte Esslöffel Tee mit 1/4 Liter siedendem Wasser überbrühen, kurz aufkochen, 5 - 10 Minuten ziehen lassen, abseihen.
Je nach Angabe ist die Zubereitung warm, lauwarm oder kalt, ev. schluckweise oder über den Tag verteilt zu trinken.

Gurgellösungen und Mundspülungen

Ungesüßten Kräutertee zubereiten. Die Behandlung muss lange genug durchgeführt werden, d.h. die reine Gurgelzeit soll mindestens 1 Minute betragen, das Mundspülen etwa 5 Minuten. Beispiel: Salbei, Kamille, Fenchel, Eibisch oder Arnika.

Wundumschläge und feuchte Verbände

Wattebausch oder Mulltupfer mit Tee tränken, leicht ausdrücken, damit die zu behandelnde Stelle bedecken. Der Wundumschlag bleibt einige Stunden liegen, der feuchte Verband so lange, bis er trocken ist. Beispiel: Kamille.

Waschungen mit Kräutertees

Sauberes Tuch oder Mulltupfer in lauwarmen Tee tauchen, mit kreisenden Bewegungen die unreinen Hautstellen waschen. Wenn Blut, Sekret oder Eiter zu beseitigen sind, sollte zunächst mehrmals ein mit Tee getränkter Mulltupfer (so heiß wie möglich ohne der Haut zu schaden) auf die verkrustete Stelle gedrückt werden. Nach ca.10 Minuten sind die Krusten aufgeweicht und eine schmerzlose Reinigung ist möglich. Beispiel: Kamille, Augentrost, Ringelblume.

Teilbäder für verletzte Gliedmaßen

Einen Tee bereiten und darin bei mäßiger Temperatur (35 - 40 °C) die erkrankten Körperteile etwa 10 Minuten baden. Für 1 Liter Badeflüssigkeit benötigt man 1 Esslöffel Droge. Beispiel: Arnika oder Ringelblume (für Verstauchungen, Verrenkungen, Schwellungen), Eichenrinde (für nässende Ekzeme, Unterschenkelgeschwüre, Hämorrhoiden).

Vollbäder

Etwa 100 g Droge mit 2 Liter kochendem Wasser übergießen. Diesen Ansatz nach ungefähr 1 Stunde zum Sieden erhitzen, etwa 15 Minuten lang kochen, abseihen. Die Flüssigkeit dem Vollbad beigeben. Die Temperatur des Badewassers sollte zwischen 35 und 39 °C liegen, Dauer: 10 - 15 Minuten. Anschließende Bettruhe ist zu empfehlen, da die Wirkung des Vollbades durch die Bettwärme verstärkt wird. Aus praktischen Gründen ist es jedoch vorteilhaft, fertige Extrakte zu kaufen, da es ein wenig mühsam ist, den Kräuterauszug selbst herzustellen. Beispiel: Thymian, Minze.

Inhalationen und Dampfbäder

Eine Handvoll Teekräuter in einem Topf mit 1/2 - 1 Liter siedendem Wasser übergießen. Bei der Inhalation sollen die Kräuterdämpfe langsam und tief durch Mund und /oder Nase eingeatmet werden, beim Dampfbad lässt man die Dämpfe auf die Haut einwirken. Steigen keine Dämpfe mehr auf, muss der Ansatz nochmals bis zur "Wiederbelebung" erhitzt werden. Behandlungsdauer: 5 - 10 Minuten. Beispiel: Kamille, Thymian, Salbei.