Rauchen hat Tradition

Adriaen van Ostade - Der Raucher, 17 Jh.
„Eigentlich wollte ich schon lange mit dem Rauchen aufhören. Aber ganz so einfach ist das eben nicht.“ Diese oder ähnliche Aussagen habe Sie sicher auch schon oft gehört oder selbst gemacht.

Als vor über tausend Jahren die Priester der Maya und Azteken bei ihren heiligen Handlungen rauchten, ahnten sie wohl kaum etwas von den Problemen der Raucherinnen und Raucher im 21. Jahrhundert.

Erst nach der Entdeckung Amerikas (1492) kam der Tabak nach Europa: der Entdecker beschreibt die getrockneten Blätter in seinem Schifftagebuch und überlieferte auch den Namen des ersten europäischen Rauchers, Rodrigo de Jerez. Tabak bedeutete schnell Geld und Macht und wurde bald zum wichtigsten Exportartikel Amerikas. Die berauschenden Eigenschaften des Tabaks wurden vom Arzt Jean Nicot entdeckt. Daher der Name Nikotin für den im Tabak enthaltenen Suchtstoff.

Im Zuge der Industrialisierung Ende des vorletzten Jahrhunderts konnten dann neu maschinell grosse Mengen Zigaretten in kürzester Zeit hergestellt werden. Damit nahm eines der grössten Gesundheitsprobleme der letzten 100 Jahre seinen Anfang. In Europa stieg die Zahl der Rauchenden in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts erheblich an. So rauchten in den 50iger Jahren über die Hälfte der Männer. In den 70iger und 80iger Jahre konnte dann ein erheblicher Rückgang bei den Rauchern festgestellt werden. Dieser Rückgang hat sich in den 90iger Jahren nicht fortgesetzt. Im Jahre 1997 rauchten rund 38% der Männer und 27% der Frauen, also rund ein Drittel der Bevölkerung.

Schon kurz nach Kolumbus begann eine Diskussion über die Gefährlichkeit des Rauchens. Heute sind die gesundheitlichen Folgen des Rauchens gut erforscht. Viele wissenschaftliche Studien haben in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass Rauchen nicht nur zu Erkrankungen der Atemwege führt, sondern beispielsweise auch die Funktion des Herzens und des Kreislaufs und Schwangerschaften ungünstig beeinflusst. Dass Rauchen bösartige Tumore in verschiedenen Organen verursachen kann, ist allgemein bekannt.



Wirkung und schädliche Nebenwirkungen

Zigarettenschachteln
Die im Zigarettenrauch enthaltene Substanz Nikotin hat sehr angenehme Eigenschaften. Je nach Situation beruhigt sie ohne müde zu machen und belebt ohne Nervosität hervorzurufen. Kommt hinzu, dass die Substanz nach Inhalation des Rauches innerhalb sieben Sekunden im Gehirn ist. Der angenehme Effekt ist also sofort zu spüren. Auf diesen Effekt können die wenigsten Raucher verzichten. Und darum ist es auch so schwierig, mit Rauchen aufzuhören.

Jedoch enthält Zigarettenrauch nicht nur Nikotin, sondern ist ein chemischer Cocktail von ca. 3‘500 – 4‘000 krebserregenden, giftigen und reizenden Substanzen. Allein die Lektüre der folgenden ganz kleinen Auswahl von Stoffen, sollte auch eingefleischte Raucherinnen und Raucher überzeugen:
Arsen, Azeton, Benzol, Blausäure, Blei, Butan, Cadmium, Formaldehyd, Kohlenmonoxid, Methanol, Methyl-Isocyanat, Polonium 210, Radon, Schwefelsäure, Teer, Nikotin.
Die obige Mischung stellt einen extrem wirkungsvollen Angriff auf den Organismus dar. Die diversen Gifte beschädigen oder lähmen diverse Entgiftungsmechanismen. Die Reizstoffe setzen die Selbstreinigung der Lunge weitestgehend ausser Kraft und erlauben den anderen Schadstoffen tiefes Eindringen und langes Verweilen in der Lunge. Stark krebserregend ist der Tabakrauch auch deshalb, weil nicht nur die Zellen geschädigt werden, sondern auch deren Reparatur verhindert wird.


Nicht mehr Rauchen ? Nicht immer einfach ...

Ein Mann zündet sich in der Nacht eine Zigarette an
Trotz vielen guten Gründen, die für den Rauchstopp sprechen würden, ist der Weg zu diesem Ziel nicht immer einfach. Gewohnheit, die Empfindung einer anregenden Wirkung, Nikotinabhängigkeit und andere Faktoren führen dazu, dass nach wie vor Millionen Menschen rauchen. Von ihnen machen rund 60% mindestens einmal jährlich einen Aufhörversuch. Gleichzeitig gibt es aber auch sehr viele ehemalige Raucherinnen und Raucher, die vor dem Aufhören oft viele Jahre rauchten und nicht selten mehrere Anläufe nehmen mussten, bevor sie es dann geschafft hatten.

Aufhören zu Rauchen ist ein Lernprozess, der nach heutigem Wissen am Besten in mehreren Schritten abläuft. Zum Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, gehören als erster Schritt auf jeden Fall das Überdenken des eigenen Rauchverhaltens und die Klärung der persönlichen Motivation zum Aufhören.


Rauchstopp beginnt in der Apotheke

Ausgedämpfte Zigarette auf Kalenderblatt
Ein erfolgreicher Aufhörversuch hängt weitgehend von der Motivation des Betroffenen ab. Diese kann durch verschiedene Massnahmen gefördert werden. An erster Stelle steht hier die Hilfe einer Fachperson. Vertraut man sich vor dem Aufhören zum Beispiel seiner Apothekerin oder seinem Apotheker an, so verdoppelt man die Chance, dass man erfolgreich Nichtraucher wird.
Wie sieht denn ein Begleitprogramm in der Apotheke aus? Zuerst wird Ihre Motivationslage zum Aufhören abgeklärt. Danach wird das Personal mit Ihnen Ihre Rauchgewohnheiten analysieren, damit Sie sich klar darüber werden, bei welchen Gelegenheiten die Gefahr eines Rückfalls besonders gross ist. Anschließend wird besprochen, wie Sie die Zeit ohne Zigaretten anpacken möchten: Wann ist das Datum des Rauchstopps, was machen Sie, wenn das Verlangen nach einer Zigarette besonders gross ist und wie verhalten Sie sich gegenüber der Umwelt?
Wenn Sie sich einmal überwunden haben, den Rauchstopp in Angriff zu nehmen, wird Ihre Apotheke auch abklären, ob der Einsatz eines Nikotinersatzproduktes sinnvoll ist. Mit den Nikotinersatzpräparaten fällt es erheblich leichter, mit dem Rauchen aufzuhören. Sie sind die richtigen Werkzeuge, um den Weg des schrittweisen Aufhörens zu gehen. Mit dem Nikotinersatz werden Körper und Psyche die in der Ausstiegsphase dringend benötigten Entspannungsphasen ermöglicht. Das Nikotin in den Ersatzprodukten wird langsam im Körper aufgenommen und nimmt dem Raucher das körperliche Verlangen nach Nikotin. Die Anfangsdosis kann im Laufe der Zeit stetig reduziert werden, bis aus dem Raucher ein Nichtraucher geworden ist. Denken Sie daran: nicht das Nikotin löst Krebs aus, sondern andere Inhaltsstoffe des Tabaks, wie zum Beispiel Teer, Benzol oder Formaldehyd. So ist jede nicht gerauchte Zigarette bereits eine Wohltat für Ihren Körper.
Nikotinersatzpräparate gibt es in verschiedenen Anwendungsformen und mit verschieden hohem Nikotingehalt. Oft ist auch der kombinierte Einsatz von zwei Mitteln sinnvoll.

Folgende Anwendungsformen sind in Ihrer Apotheke rezeptfrei erhältlich:

  • Pflaster
    Am Besten geeignet, wenn Sie gleichmässig über den Tag geraucht haben und nicht allzu stark nikotinabhängig sind. Das Pflaster ist auch dann zu empfehlen, wenn Sie während des Tages keinen Kaugummi kauen dürfen. Das Pflaster überträgt Nikotin durch die Haut in die Blutbahn und mildert die Entzugssymptome.
  • Kaudepot
    Beim so genannten Nikotinkaugummi handelt es sich eigentlich nicht um einen echten Kaugummi, sondern um ein Kaudepot, das via Mundschleimhaut Nikotin abgibt. Es eignet sich besonders dann, wenn Sie ziemlich stark, aber eher unregelmässig und zu «Spitzenzeiten» geraucht haben. Zudem hilft das Kaudepot am Morgen, wenn das Pflaster nicht schnell genug wirkt.
  • Microtab
    Microtab ist eine winzige Tablette, die unter die Zunge gelegt wird. Sie erlaubt Ihnen, mit der grösstmöglichen Flexibilität und Diskretion das Verlangen nach einer Zigarette zu beherrschen – wann und wo Sie wollen.
Gegen Arztrezept gibt es zwei weitere Anwendungsformen:
  • Nasenspray
    Noch rascher als mit dem Kaudepot kann man mit dem nikotinhaltigen Nasenspray das unmittelbare Bedürfnis nach einer Zigarette unterdrücken. Das Mittel wird Personen empfohlen, die über 20 Zigaretten am Tag geraucht haben.
  • Inhaler
    Bei diesem Medikament werden Nikotindämpfe über den Mund eingeatmet. Bei tiefem Einatmen wirkt das Mittel relativ rasch. Die Handhabung des Mundstückes erinnert an das «Hand-zum-Mund»-Ritual beim Zigarettenrauchen. Dies kann – je nach individueller Einstellung – als positiv oder negativ gewertet werden.


Die elektrische Zigarette

E-Zigarette
Die elektrische Zigarette wird immer wieder als "gesunde" Alternative zum herkömmlichen Rauchen angepriesen, wobei dies nach wie vor nicht 100%ig belegt ist. Es gibt verschiedene Varianten von unterschiedlichen Anbietern, welche sich in der Qualität, der Anwendung und natürlich auch im Preis unterscheiden.

BITTE BEACHTEN SIE: Wir bieten diese elektrischen Zigaretten nicht mehr an, da wir immer wieder Beschwerden und Reklamationen erhielten (vor Allem wegen technischen Fehlern), weshalb wir auch keine weiteren Informationen hierzu anbieten möchten bzw. können. Sollten Sie jedoch die Verwendung von elektrischen Zigaretten in Erwägung ziehen, empfehlen wir, sich diesbezüglich vorab zu informieren (z.B. bei ihrem Hausarzt).

Weiterführende Informationen:
Die elektrische Zigarette
Die E-Zigarette – neues Übel oder Alternative zu Tabak?


Gesundheitsveränderung nach dem Rauchstopp

Röngtenaufnahme einer Lunge

  • 20 Minuten: Normalisierung von Puls und Körpertemperatur
  • 8 Stunden: Kohlenmonoxid verflüchtig sich im Blut fast vollständig
  • 2-3 Tagen: Besserung der Atmung und des Geschmacksinns
  • 6 Monaten: Halbierung des Risikos einer Herzkranzgefässerkrankung (z. B. Angina pectoris)
  • 10 Jahre: hat sich das Risiko für eine Lungenkrebserkrankung fast dem von Nie-Rauchern angeglichen


Wo darf ich rauchen ?

Ein alter Kubaner raucht eine Zigarre
Im Endeffekt ist jeder für sich selbst und seine Gesundheit verantwortlich. Der Wille und die Überzeugung zum Aufhören muss von Jedem selbst kommen - da helfen auch keine Wahnsinnspreise, Regelungen oder Verbote. Und Verbote gibt es inzwischen genug ...
Wenn man Raucher ist, ist es oftmals verwirrend, wo man in der Öffentlichkeit Rauchen darf oder nicht (selbst im eigenen Land). Besonders schwierig ist es, wenn man im Ausland unterwegs ist.
Bei nachstehendem Link können Sie sich informieren, in welchem Land welche Verbote gelten.

Weiterführende Informationen:
Liste der Rauchverbote nach Land